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Wo der Himmel aufgeht

Kino & Fimgespräch »Wo der Himmel aufgeht. Bejarano und Microphone Mafia in Kuba«, Regisseur: Tobias Kriele, BRD 2018, 45 min, dt./span. OmU, Regisseur Tobias Kriele ist bei der Aufführung anwesend und beantwortet nach der Aufführung gern Fragen des Publikums.

»Drei Generationen, drei Religionen antifaschistisch vereint – das ist schon was Besonderes« sagt Esther Bejarano über "Microphone Mafia", die Rap-Band von Kutlu Yurtseven, Rossi Pennino und ihrem Sohn Joram, die seit Jahren ihre musikalischen Partner sind. Im Winter 2017 realisierten die vier einen lang gehegten Traum und spielten eine Tournee auf Kuba. Regisseur Tobias Kriele hat die beeindruckenden Begegnungen und Konzerte dieser Reise dokumentiert. Der Titel seines Films bezieht sich auf einen Song, den Yurtseven und Pennino in ihrem Kölschen Dialekt singen und fragen: »Wann geht der Himmel wieder auf?« Es ist die Frage von Migranten, die ein Land suchen, in dem sie eine Chance auf ein würdiges Leben haben. Kuba – so sagt der Filmtitel – ist ein solches Land. Esther Bejarano hat dieses Land aber nicht nur als Sozialistin besucht und dort singen wollen, sondern sie suchte dort zugleich eine Antwort auf die Frage, ob es auch auf der sozialistischen Insel Antisemitismus gibt.

Spätestens seit ihrem Auftritt in der ZDF-Satiresendeung "Die Anstalt" zum Thema NSU-Terror im Januar 2016 ist die Musikerin, die zu den herausragenden Persönlichkeiten der antifaschistischen und fortschrittlichen Linken in Deutschland gehört, auch dem Massenpublikum bekannt. 1924 als Kind jüdischer Eltern in Saarlouis geboren, verliert Esther schon als Jugendliche ihre Familie. Wie sie erst später erfährt, wurden ihre Eltern ebenso wie ihre Schwester von den Nazis ermordet. Auch Esther wird über Umwege nach Auschwitz deportiert. Sie überlebt dort nur, weil es ihr gelingt, ein Mitglied des Lagerorchesters zu werden, das auf Geheiß der SS zur Beruhigung der eintreffenden Häftlinge spielen muss. Sie wird 1943 in ein anderes Lager verschleppt, während eines Todesmarsches gelingt ihr die Flucht.
Esther wandert nach der Befreiung vom Faschismus nach Israel aus, kehrt aber 1960 mit ihrem Mann und ihren Kindern nach Deutschland zurück. 1979 wird sie Zeuge eines Aufmarsches von Neonazis, bei dem die Polizei antifaschistische Gegendemonstranten festnimmt. Esther beschließt, sich einzumischen. Sie spricht als Zeitzeugin vor Schulklassen, gründet das Auschwitz-Komitee in der BRD, tritt in die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA) ein und wird deren Ehrenvorsitzende. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhält sie im Jahr 2009 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
Seit den 1980er Jahren singt Esther wieder: Zunächst mit der Band Coincidence jüdische und antifaschistische Lieder. Seit 2009 treten Esther und ihr Sohn Joram mit der antifaschistischen Rapgruppe "Microphone Mafia" in ganz Europa auf. Im Januar 2016 erklärt Esther in "Die Anstalt" vor einem Milionenpublikum: "Verlasst Euch nicht auf diesen Staat. Den Faschismus können nur wir selbst verhindern."

Regisseur Tobias Kriele erzählt in mit seinem Film "Wo der Himmel aufgeht" mit einfühlsamen Bildern von einer Begegnung in Freundschaft. Mitreißende Konzertausschnitte machen die Begeisterung spürbar, die das kubanische Publikum einer einzigartigen Frau entgegenbringt, und ihrem Traum von einer Welt, deren Himmel für alle, die unter ihm leben, gleichermaßen aufgeht.

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